Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Ich versuche es
trotzdem.
In Deutschland hat man den 16 Bundeslaendern im Grundgesetz von
1949
viele Rechte zur Selbstverwaltung eingeraeumt. Das ist sicherlich
ein
Ergebnis der schwierigen deutschen Geschichte von 1914-1945.
So
faellt auch die Organisation der Schulen in die Zustaendigkeit
der
Bundeslaender. Diese erlassen auf Grundlage des Grundgesetzes fuer
jedes
Bundesland ein eigenes Schulgesetz.
Leider sind diese Gesetze in
vielen Bundeslaendern unterschiedlich.
Die Unterschiede betreffen zum
Beispiel die Dauer der einzelnen Schulen,
Die Lehrplaene oder auch bestimmte
Pruefungen am Ende der Schule.
Ein Beispiel:
Grundschule in
Nordrhein-Westfahlen 1.- 4. Klasse
Grundschule in Berlin 1.- 6.
Klasse
Auch die Verteilung der einzelnen Religionen in Deutschland
spiegelt
sich inˇˇden Schulgesetzen wieder. In ganz Deutschland gibt es
ungefaehr 35%
katholischeˇˇChristen (vorallem in Sueddeutschland) und 36%
evangelische Christen
(vorallen inˇˇNord- und Ostdeutschland. In den Doerfern
ist der Anteil groesser
als in den Staedten.
Im Grundgesetz wird der
Religionsunterricht nur ganz allgemein geregelt.
Hier ein
Auszug:
Grundgesetz fuer die Bundesrepublik Deutschland
Artikel. 7
Absatz 2
(2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, ueber die Teilnahme
des
Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
Erklaerung: Die Eltern
entscheiden, ob die Kinder am Religionsunterricht
teilnehmen.
Jedes
Bundesland hat dazu andere Bestimmungen
zum Beispiel Bundesland
Bayern:
Verfassung des Freistaates Bayern
Artikel 137 Freie Teilnahme
am Religionsunterricht
(1) Die Teilnahme am Religionsunterricht und an
kirchlichen Handlungen
und Feierlichkeiten bleibt der Willenserklaerung der
Erziehungsberechtigten, vom vollendeten 18. Lebensjahr ab
der
Willenserklaerung der Schueler ueberlassen.
(2) Fuer Schueler, die
nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ist ein
Unterricht ueber die
allgemein anerkannten Grundsaetze der
Sittlichkeit
einzurichten.
Erklaerung: In Bayern entscheiden die
Eltern bis zum 18. Lebensjahr,
ob die Kinder zum Religionsunterricht gehen.
Wenn die Kinder 18 Jahre alt sind,
koennen sie selbst darueber
entscheiden.
Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, muessen
einen
allgemeinen Unterricht ueber Ethik und Philosophie besuchen.
zum
Beispiel Hamburg (eigenes Bundesland)
Hamburgisches Schulgesetz
ˇ¦7
Religionsunterricht
(3) Ueber die Teilnahme am Religionsunterricht
entscheiden die
Erziehungsberechtigten, nach Vollendung des 14.Lebensjahres
die
Schuelerinnen und Schueler.
(4) Soweit in der Stundentafel
vorgesehen, wird den Schuelerinnen und
Schuelern eine Wahlpflicht-alternative
zum Religionsunterricht in den
Bereichen Ethik und Philosophie
angeboten.
Erklaerung: In Hamburg entscheiden die Eltern bis zum 14.
Lebensjahr, ob
die Kinder zum Religionsunterricht gehen. Wenn die Kinder 14
Jahre alt
sind, koennen sie selbst darueber
entscheiden. Kinder, die nicht
am Religionsunterricht teilnehmen,
muessen einen allgemeinen Unterricht ueber
Ethik und Philosophie besuchen
Diese ganzen Gesetze sind sehr kompliziert.
Ich habe aber versucht, Dir
an einigen Beispielen zu erklaeren, warum der
Satz "In Deutschland
KOENNEN die Schueler am Religionsunterricht teilnehmen"
richtig ist
Zum Abschluss noch ein paar Bemerkungen zur praktischen
Durchfuehrung
an den Schulen in Berlin. Ich habe einen Sohn ( 10 Jahre alt ),
der
selbst den Religionsunterricht besucht.
In seiner Klasse sind 23
Schueler.
6 Schueler seiner Klasse besuchen den evangelischen
Religionsunterricht.
Die anderen 17 Schueler haben dann keinen Unterricht
und koennen
schon nach Hause gehen.
Der Religionsunterricht wird von
einem Pfarrer durchgefuehrt.
Es gibt keine Zensuren.
Schueler, die
nicht am Religionsunterricht teilnehmen, KOENNEN das Fach
Ethik und
Lebenskunde besuchen, muessen es aber nicht. Weil nur 2
Schueler daran
teilnehmen wollten, fand kein Unterricht statt. Bestraft wird in
Deutschland
niemand, wenn er nicht am Religionsunterricht teilnimmt.
Ich hoffe, das
Du alles verstanden hast.
Das Schulsystem in Deutschland ist so kompliziert,
Das es nicht mal alle Deutschen verstehen.
Wie muss es da einen Japaner
ergehen.